Im Frühjahr 1927 macht ein Vermessungsingenieur bei der geplanten Eisenbahnbrücke über die Weser bei Hoya eine Messung, die nicht zu den offiziellen geologischen Karten passt. Bereits in nur 4,50 Metern Tiefe stößt seine Messstange auf eine ungewöhnlich harte, vollkommen gleichmäßige Schicht. Sechs Messpunkte bestätigen denselben Befund.
Für Ernst Kallweit ist das kein Rätsel, sondern zunächst eine technische Frage: Was befindet sich unter dem Flussbett?
Er fordert eine Bohrung, doch die Reichsbahndirektion Hannover lehnt ab. In ihrem Antwortschreiben findet sich eine auffällige Formulierung: „im Falle ihrer tatsächlichen Existenz“. Der Befund wird nicht widerlegt – er wird lediglich nicht weiter untersucht.
Kallweits eigenes Feldtagebuch ist bis heute erhalten. Darin stehen die Messpunkte, Tiefen und Widerstandswerte. Der offizielle Bauakt der Brücke erwähnt dagegen lediglich eine erhöhte Eindringresistenz der Betonpfähle. Der ursprüngliche Vorabbericht Kallweits, inklusive Maßtabelle und Zeichnungen, fehlt.
Was befand sich tatsächlich unter dem Weserbett?
Eine natürliche Gesteinsschicht? Eine unbekannte geologische Formation? Ein älteres Bauwerk? Oder etwas, das bei den späteren Brückenarbeiten tatsächlich getroffen wurde, ohne dass seine Herkunft jemals dokumentiert wurde?
Die Geschichte führt in die Vermessungsakten der Reichsbahn, in die Baugeschichte der Weserbrücke bei Hoya und zu einem Feldtagebuch, das fast ein Jahrhundert lang eine Frage bewahrt hat, auf die die offiziellen Akten keine Antwort geben.
