Ein Meer, das zweimal ein Süßwassersee war. Ein Meeresboden, auf dem in weiten Teilen kein Sauerstoff liegt, sondern ein Gas, das nach faulen Eiern riecht. Und ein Becken, das nur dann Luft bekommt, wenn ein Sturm von außen Wasser hineindrückt — und wann das passiert, kann niemand vorhersagen. Das ist die Ostsee, vier Autostunden von Berlin entfernt.
Zwölf Fakten, rückwärts gezählt: über einen Salzgehalt, der im Norden auf ein Zehntel von echtem Meerwasser fällt, über den Baltischen Eisstausee und den Tag, an dem er bei Billingen auslief, über vier verschiedene Namen für dasselbe Becken — jeder benannt nach einem Tier, das dort leben konnte —, über die Darßer Schwelle vor Rostock, an der sich alles entscheidet, und über den fünften Februar zweitausendsechsundzwanzig, als ein schwedischer Pegel den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr achtzehnhundertsechsundachtzig zeigte.
Zur Einordnung: Einiges davon ist offen und wird im Video ausdrücklich als offen benannt. Der verbreitete Begriff Todeszone ist ungenau — diese Bereiche werden von Bakterien besiedelt, und nach Einschätzung des Thünen-Instituts ist bislang kein Bestand mariner Fische in der Ostsee durch Sauerstoffmangel verendet. Auch die Frage, ob die großen Salzwassereinbrüche tatsächlich seltener geworden sind oder ob die Zeitreihen verzerrt sind, ist fachlich nicht entschieden. Und die Datierungen der einzelnen Ostsee-Stadien gehen je nach Quelle um mehrere hundert Jahre auseinander.
Bild- und Videomaterial dient der Illustration und wird im Rahmen des Zitatrechts nach Paragraf einundfünfzig UrhG sowie nach Fair-Use-Grundsätzen genutzt. Alle Rechte verbleiben bei den jeweiligen Urhebern. Bei Beanstandungen genügt eine kurze Nachricht.
