5. September 2026

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Medien- und Radioteam

Was die Alten in Graubünden über den versunkenen Wald im Rhein erzählten — festgehalten 1861

 

Im Sommer 1861 hält ein Landvermesser am Vorderrhein an und schreibt vier Zeilen, die er nie
erklärt. Aus der Strömung ragen kahle, graue Kiefernstämme, längst tot, verwurzelt in Boden,
der unter Wasser liegt. Ein toter Baum wächst nicht unter Wasser. Damit sie
am Flussgrund stehen bleiben, muss das Wasser so schnell gestiegen sein, dass sie im Stehen
abstarben. Etwas hatte den Rhein aufgehalten — und auf keiner Karte stand je ein
solches Hindernis.

Albert Heim zeigt 1882 für die Schweizerische Geologische Kommission, dass die Terrasse unter
Flims, Laax und Trin kein Festgestein ist, sondern Schutt: der größte bekannte Bergsturz der
Alpen. Er staute den Vorderrhein zu einem See auf, dreihundert Meter über dem heutigen Flusslauf.
2024 datiert ein Team der Universität Bern und der ETH Zürich eine Eiche mit 359 Jahresringen
auf 7469 v. Chr., mit zwei Jahren Abweichung. Sie war ertrunken.

Die zweite Spur ist mündlich: punt da crap, die Steinbrücke — ein Felsbogen über der engsten
Stelle, nie als erbaut beschrieben, über den die Väter der Väter trockenen Fußes gegangen sein
sollen, bis er herunterkam. Beide Linien beschreiben dieselbe Abfolge, ohne
voneinander zu wissen. Neuntausendfünfhundert Jahre liegen aber weit jenseits jeder bestätigten
mündlichen Überlieferung.

Diese Dokumentation stützt sich auf historische Aufzeichnungen, archäologische Forschung und
lokale mündliche Überlieferung. Sie stellt belegte Befunde neben Fragen, die bis heute offen
sind. Wo sich die Darstellungen unterscheiden, werden beide gezeigt. Nichts davon wird als
abschließendes Ergebnis behauptet.