Am 14. März 1902 besetzte die Sprengmannschaft im Bruch Weißer Ofen über Lengefeld das letzte Bohrloch in einer Marmorwand. Der Schuss klang nicht sauber. Statt losem Haufwerk öffnete sich die Wand in einen Hohlraum, für den in diesem Bruch niemand gebohrt hatte. Bruchmeister Reinhold Nestler ging etwa zwölf Meter hinein, kehrte um und betrat den Gang in den zweiundzwanzig Jahren, die er noch für das Kalkwerk arbeitete, kein einziges Mal wieder.
Zwei Aufzeichnungen beschreiben, was dort lag, und keine wusste von der anderen. Die eine ist der Messeintrag des Rechnungsgehilfen Anton Wappler im Schichtbuch: neun Meter flach bearbeitete Wände in Lagen, zwei Meter sechs Wandhöhe über die volle Länge, eine Rinne in der Sohle — und eine Sohle ohne jeden Sprengschutt. Die andere ist die Überlieferung der Steinbrecher- und Kalkbrennerfamilien rings um den Bruch.
Dazwischen liegt eine Lücke. Der Bericht des Betriebsleiters ist im Bergarchiv Freiberg nicht aufgetaucht, und das Schichtbuch enthält für den 17., 18. und 19. März keine Einträge. Die Seiten sind da, liniert und im Voraus datiert. Sie sind leer.
Die Alten sagten, im Weißen Ofen sei vor den Brennern schon gearbeitet worden. Von wem, sagten sie nie. Wen, glauben Sie, meinten sie? Schreiben Sie es unter dieses Video.
Diese Dokumentation stützt sich auf historische Aufzeichnungen, archäologische Forschung und lokale mündliche Überlieferung. Sie stellt belegte Befunde neben Fragen, die bis heute offen sind. Wo sich die Darstellungen unterscheiden, werden beide gezeigt. Nichts davon wird als abschließendes Ergebnis behauptet.
