Gas wird wieder deutlich teurer – und deutsche Haushalte bekommen die Folgen mit Verzögerung auf der Rechnung präsentiert. Der Iran-Krieg treibt die Großhandelspreise nach oben, gleichzeitig sind die Gasspeicher ungewöhnlich schwach gefüllt. Dazu kommen steigende Netzentgelte, CO2-Kosten und eine Energiepolitik, welche die Kosten des geplanten Abschieds vom Gas auf die heutigen Verbraucher umlegt.
Die nächste Heizkostenrunde kündigt sich bereits an. Günstige Neukundentarife sind seit Anfang März von rund acht auf zehn Cent je Kilowattstunde gestiegen. Bei einem Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch macht das rund 400 Euro zusätzlich aus. Verivox rechnet bei anhaltend hohen Großhandelspreisen zeitversetzt auch für Bestandskunden mit Aufschlägen zwischen zehn und 20 Prozent. Je nach Tarif können daraus Mehrkosten von bis zu 600 Euro im Jahr werden. Einer der Preistreiber ist der Weltmarkt. Zuerst sorgte das Ende des günstigen Pipelinegases aus Russland für höhere Kosten durch LNG-Ersatzlieferungen aus Übersee. Nun fordert auch der Iran-Krieg seinen Tribut. Lag der Preis in Europa vor der Eskalation am Persischen Golf bei rund drei Cent je Kilowattstunde, muss man heute schon mit teils mehr als dem Doppelten rechnen. Denn die europäischen Gaskunden konkurrieren nun auch mit jenen in Asien um die ohnehin schon reduzierten Lieferungen.
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Dazu kommt, dass die deutschen Gasspeicher Mitte August nur knapp zur Hälfte gefüllt waren. Vor einem Jahr lag der Stand zu diesem Zeitpunkt noch deutlich höher. Die Bundesregierung sieht zwar keine akute Mangellage, doch hohe Einkaufspreise bremsen die Einlagerung. Händler kaufen schließlich nur ungern teures Gas für den Winter ein, wenn sich daraus am Terminmarkt kein entsprechender Gewinn erwarten lässt. Ausgerechnet hier zeigt sich eine Schwäche der deutschen Strategie: Noch 2025 wurden die verpflichtenden Speicherziele abgesenkt. Das Wirtschaftsministerium begründete dies ausdrücklich mit den neuen LNG-Terminals und zusätzlichen Importmöglichkeiten. Nun sorgt ausgerechnet die Abhängigkeit vom internationalen LNG-Markt dafür, dass Gas teuer und die Speicherbefüllung schwieriger wird.
Dabei bleiben die Speicher für Deutschland unverzichtbar. Die Fernleitungsnetzbetreiber rechnen an sehr kalten Wintertagen mit einem Gasbedarf von rund sechs Terawattstunden täglich, während unter realistischen Bedingungen nur etwa drei Terawattstunden über Importe hereinkommen können. In solchen Situationen muss mehr als die Hälfte des Bedarfs aus den Speichern gedeckt werden. LNG-Terminals erhöhen also die Importmöglichkeiten, ersetzen aber nicht die saisonale Bevorratung.
Der Gas-Ausstieg verteuert schon heute die Netzkosten
Während der Weltmarkt den Brennstoff verteuert, steigen in Deutschland gleichzeitig die staatlich regulierten Kosten. Die Gasnetzentgelte legten 2026 bundesweit um durchschnittlich rund elf Prozent zu. Für einen Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch sind das ungefähr 61 Euro mehr im Jahr. Regional fällt der Aufschlag deutlich höher aus: Im Saarland sind es durchschnittlich 133 Euro, in Thüringen 121 Euro, einzelne Netzgebiete liegen noch weit darüber. Die Bundesregierung nennt dafür mehrere Ursachen. Neben höheren vorgelagerten Netzkosten und der Biogasumlage spielt ausdrücklich KANU 2.0 eine Rolle. Dahinter steckt ein Problem, das die Energiewende selbst geschaffen hat: Wenn immer weniger Haushalte Gas beziehen, müssen die Kosten der bestehenden Leitungsnetze irgendwann auf immer weniger Kunden verteilt werden. Deshalb dürfen Netzbetreiber ihre Anlagen nun schneller abschreiben.
Die Bundesnetzagentur formulierte das bei Einführung der Regelung auffallend offen. Die Kosten sollen so verteilt werden, dass sie noch von „möglichst vielen Kunden getragen werden können“. Genau das geschieht nun. Weil politisch mit einem massiven Rückgang der Gasnutzung gerechnet wird, werden Teile der späteren Netzkosten bereits auf die heutigen Gasverbraucher vorgezogen. Der politisch organisierte Abschied vom Gas verteuert das Gas damit schon lange, bevor die letzte Leitung stillgelegt wird. Zum Jahresbeginn hatte die Bundesregierung noch die Abschaffung der Gasspeicherumlage als Entlastung verkauft. Bei 20.000 Kilowattstunden Verbrauch spart ein Haushalt dadurch knapp 70 Euro brutto im Jahr. Gleichzeitig steigen die durchschnittlichen Gasnetzentgelte um etwa 61 Euro. Von der groß verkündeten Entlastung bleibt damit für einen typischen Gasheizer kaum etwas übrig.
Und die nächste Umlage ist bereits angekündigt. Für eine geplante strategische Gasreserve von 24 Terawattstunden will das Wirtschaftsministerium nicht den Bundeshaushalt heranziehen, sondern erneut die Verbraucher. Die bislang genannten Beträge wären zwar vergleichsweise gering, doch während eine Gasumlage abgeschafft wird, steht nur wenige Monate später bereits die nächste im Raum. Hinzu kommt die CO2-Bepreisung. 2026 werden die Zertifikate zwischen 55 und 65 Euro je Tonne versteigert. Schon diese staatliche Abgabe verteuert Erdgas um einen erheblichen Betrag, völlig unabhängig davon, ob der Rohstoff selbst gerade billig oder teuer ist. Gasheizer bezahlen damit nicht nur ihren Brennstoff, sondern zunehmend auch die politische Absicht, ihn aus dem Markt zu drängen.
Niedrigere Speicherziele wurden mit den neuen LNG-Möglichkeiten begründet. Nun macht eine Krise am globalen LNG-Markt das Gas teuer und erschwert zugleich die Befüllung der Speicher. Die Netzentgelte steigen, weil die Kosten des geplanten Gas-Ausstiegs auf die heutigen Kunden vorgezogen werden. Der CO2-Preis verteuert jede Kilowattstunde zusätzlich, während Brüssel auch noch die verbliebenen russischen Liefermöglichkeiten endgültig streicht. Die nächste Gasrechnung erzählt damit nicht nur etwas über den Weltmarkt. Sie zeigt auch, was der politisch gewollte Abschied vom Erdgas schon heute kostet.
Bis zu 600 Euro mehr: Gaskunden geraten in die nächste Kostenfalle
