Neue, von US-Senator Rand Paul veröffentlichte Dokumente werfen ein weiteres Licht auf die bislang wenig bekannte Zusammenarbeit zwischen dem amerikanischen Gesundheitsapparat und den Geheimdiensten. Den Unterlagen zufolge bestanden zwischen der CIA und dem National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), das jahrzehntelang von Anthony Fauci geleitet wurde, institutionelle Verbindungen. Besonders brisant: Die CIA soll dem NIAID Gelder zur Verfügung gestellt haben, während beide Seiten bei biologischen Forschungsfragen zusammenarbeiteten.
Aus einer Vereinbarung zwischen CIA und NIAID geht demnach hervor, dass das Biological Technology Center (BTC) der CIA eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der sogenannten „forensischen Mikrobiologie“ initiierte. Dabei ging es nicht lediglich um einen losen Informationsaustausch. Die im Rahmen dieser Zusammenarbeit entstandenen Daten wurden als „sensibel“ eingestuft und durften nur mit Genehmigung der CIA weitergegeben werden. Sie waren damit zwar nicht formell als geheim klassifiziert, unterlagen aber dennoch der Kontrolle des Geheimdienstes.
Die Veröffentlichung sorgt auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil sie erstmals dokumentarisch Einblicke in die strukturellen Beziehungen zwischen einem US-Geheimdienst und jener Gesundheitsbehörde liefert, die unter Fauci eine zentrale Rolle in der amerikanischen Infektionsforschung und später während der Corona-Pandemie spielte.
Hinzu kommen interne E-Mails, die Rand Paul ebenfalls veröffentlichte. Daraus soll hervorgehen, dass innerhalb dieses Systems wiederholt Anweisungen erteilt wurden, Nachrichten zu löschen. „Delete this email“ – „Löschen Sie diese E-Mail“, heißt es laut den veröffentlichten Unterlagen wörtlich.
Damit erhält die Debatte über den Umgang mit behördlichen Unterlagen zusätzliche Brisanz. Die Frage ist nicht nur, welche Informationen zwischen Gesundheitsbehörden und Geheimdiensten ausgetauscht wurden, sondern auch, welche Kommunikation möglicherweise nicht mehr vollständig nachvollzogen werden kann.
Pfizer-Vorstandsmitglied beriet die CIA während der Pandemie
Eine weitere bemerkenswerte Verbindung betrifft Scott Gottlieb, den früheren Chef der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA und heutigen Vorstand von Pfizer. Den veröffentlichten Dokumenten zufolge erhielt die CIA während der Corona-Pandemie pandemiebezogene Beratung von Gottlieb.
Das wirft Fragen nach möglichen Interessenkonflikten auf: Gottlieb beriet demnach einen der wichtigsten amerikanischen Geheimdienste in Pandemiefragen, während er gleichzeitig im Vorstand von Pfizer saß – jenem Pharmakonzern, der mit seinem Covid-19-Impfstoff Milliardenumsätze erzielte. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie unabhängig die daraus resultierenden Einschätzungen und politischen Entscheidungen waren.
Doch Gottlieb war nicht der einzige prominente Wissenschaftler mit Verbindungen zu dieser Beratergruppe. Auch der Coronavirus-Forscher Ralph Baric gehörte laut den veröffentlichten Unterlagen zu den Experten, die die Geheimdienste unterstützten. Baric ist international vor allem durch seine Coronavirus-Forschung und seine wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Forschern des Wuhan Institute of Virology bekannt.
Damit zeichnet sich ein Netzwerk ab, in dem Geheimdienste auf Wissenschaftler und frühere Spitzenbeamte des Gesundheitswesens zurückgriffen, während gleichzeitig Verbindungen zur Pharmaindustrie und zur Coronavirus-Forschung bestanden.
Die nun veröffentlichten Dokumente werfen deshalb grundsätzliche Fragen über die Grenzen zwischen Gesundheitsbehörden, Geheimdiensten, Wissenschaft und Pharmaindustrie auf. Sie dokumentieren eine Zusammenarbeit zwischen CIA und NIAID, zeigen, dass dabei entstandene Informationen der Kontrolle des Geheimdienstes unterlagen, und legen offen, dass während der Pandemie Personen wie Gottlieb und Baric die Geheimdienste berieten.
Besonders schwer wiegt in diesem Zusammenhang der Hinweis auf interne Aufforderungen, E-Mails zu löschen. Ob daraus rechtliche Konsequenzen für einzelne Beteiligte entstehen werden, ist derzeit offen. Ebenso beweisen die Dokumente für sich genommen nicht, dass Fauci persönlich für sämtliche Aktivitäten dieser institutionellen Zusammenarbeit verantwortlich war oder dass aus den Verbindungen rechtswidrige Handlungen hervorgingen.
Fest steht jedoch: Die neuen Unterlagen machen Beziehungen sichtbar, die bislang kaum öffentlich bekannt waren – zwischen dem von Fauci geleiteten NIAID, der CIA, führenden Wissenschaftlern und Personen mit unmittelbaren Verbindungen zur Pharmaindustrie. Gerade nach den jahrelangen Kontroversen über die Aufarbeitung der Corona-Pandemie dürfte die Veröffentlichung die Forderungen nach vollständiger Transparenz über diese Zusammenarbeit weiter verstärken.
