24. August 2026

allianz-erde.org

Medien- und Radioteam

Deutschland reißt langsam auseinander

 

Deutschland ist kein Erdbebenland. Das weiß jeder. Trotzdem wurde am achtzehnten Oktober dreizehnhundertsechsundfünfzig eine Stadt am Rand dieses Landes vollständig zerstört, die Brände danach wüteten acht Tage, und der Stoß war bis Paris zu spüren.

Zwanzig Fakten über den Oberrheingraben, rückwärts gezählt: über einen Bruch von dreihundertzehn Kilometern Länge, dessen Boden dreieinhalb Kilometer tief abgesackt ist, über zwei Gebirge, die einmal eines waren, über eine Altstadt im Breisgau, die sich um sechzig Zentimeter gehoben hat, und über mehr als hundert Erdbeben pro Jahr unter einer deutschen Großstadt.

Ausdrücklich: Es gibt keine Vorhersage und kein Anzeichen für ein bevorstehendes Ereignis. Die gemessenen Bewegungen liegen bei etwa einem Millimeter im Jahr, stellenweise an der Nachweisgrenze. Auch die Stärke des Bebens von dreizehnhundertsechsundfünfzig ist bis heute nicht geklärt — die Schätzungen reichen von sechs bis sieben, und dazwischen liegt bei der Energie ungefähr der Faktor dreißig. Was sich geändert hat, ist nicht ein Termin, sondern die Einordnung: Der Oberrheingraben gilt der Forschung nicht als abgeschlossene Struktur der Erdgeschichte, sondern als aktives Bruchsystem.