Vier Jahre nach seiner spektakulären Abschiebung aus Australien spricht Novak Djokovic Klartext. In der neuen Dokumentation „The Wolf in Winter“ bezeichnet der Tennisstar seine Ausweisung vor den Australian Open 2022 als politisch motiviert. Mit Medizin habe die Entscheidung nichts zu tun gehabt.
Djokovic hatte sich gegen eine Covid-Impfung entschieden und berief sich für seine Einreise auf eine medizinische Ausnahmegenehmigung nach einer überstandenen Infektion. Was anschließend geschah, machte ihn weltweit zum Symbol im Streit um Impfpflicht, staatliche Covid-Maßnahmen und die Freiheit, eine medizinische Behandlung abzulehnen.
Er begründet das unter anderem damit, dass nach seinen Angaben eine weitere Spielerin und ein Trainer mit derselben Art medizinischer Ausnahmegenehmigung nach Australien eingereist waren. Seine Darstellung lautet deshalb, dass nicht seine medizinische Situation ausschlaggebend gewesen sei, sondern seine öffentliche Rolle als prominenter ungeimpfter Sportler.
Besonders brisant ist heute ein Blick auf die damaligen Regierungsunterlagen. Der zuständige Einwanderungsminister Alex Hawke räumte in seiner Entscheidung ein, dass von Djokovic selbst nur ein „vernachlässigbares“ Gesundheitsrisiko ausgehe. Sein Visum wurde schließlich dennoch aufgrund von „health and good order“ sowie des öffentlichen Interesses annulliert.
Der entscheidende Grund lag damit nicht allein in einer unmittelbaren medizinischen Gefahr durch Djokovic. Die Regierung befürchtete vielmehr, dass seine Anwesenheit die Impfgegnerschaft stärken könnte. Der ungeimpfte Weltranglistenerste könne als Symbolfigur wahrgenommen werden, andere Menschen von Impfungen oder Boostern abhalten und Proteste fördern. Genau diese Argumentation wurde später auch in den veröffentlichten Entscheidungsgründen des Gerichts dokumentiert.
Damit bekommt Djokovics heutiger Satz, die Angelegenheit sei „politisch“ gewesen, besonderes Gewicht.
Denn der Fall zeigt exemplarisch das Klima der Corona-Jahre. Die Entscheidung eines gesunden Spitzensportlers, sich ein neu entwickeltes pharmazeutisches Produkt nicht verabreichen zu lassen, wurde nicht mehr ausschließlich als persönliche medizinische Entscheidung behandelt. Entscheidend wurde auch seine Wirkung auf andere Menschen und damit auf die staatliche Impfkampagne.
Davon profitierte gleichzeitig eine Pharmaindustrie, deren Covid-Impfstoffe durch staatliche Beschaffung und massive politische Impfkampagnen zu einem globalen Milliardengeschäft wurden. Das beweist selbstverständlich nicht, dass Pfizer, Moderna oder andere Hersteller hinter Djokovics Abschiebung standen – dafür gibt es keinen Beleg. Doch der Fall macht sichtbar, wie eng während der Pandemie Politik, öffentliche Gesundheitskampagnen und die Interessen eines gigantischen Impfstoffmarktes miteinander verbunden waren.
Besonders bemerkenswert ist, dass Australien später selbst die Grundlage dieser Auseinandersetzung beseitigte. Die Covid-Grenzbeschränkungen einschließlich des Nachweises des Impfstatus wurden aufgehoben, Djokovics Visumsannullierung wurde widerrufen und der zuvor unerwünschte Tennisstar durfte wieder nach Australien einreisen.
Das Bundesgericht erklärte die ursprüngliche Entscheidung deshalb nicht nachträglich für rechtswidrig; es hatte die ministerielle Entscheidung 2022 bestätigt. Doch die damalige Begründung bleibt aufschlussreich: Nicht nur eine konkrete medizinische Gefahr sollte verhindert werden, sondern auch der gesellschaftliche Einfluss eines prominenten Menschen, der sich öffentlich gegen eine Covid-Impfung für sich selbst entschieden hatte.
Djokovic bezeichnet sich bis heute nicht als Impfgegner, sondern als Befürworter der freien Entscheidung. Vier Jahre später erinnert sein Fall deshalb an eine Frage, die während der Pandemie häufig in den Hintergrund geriet: Wie freiwillig ist eine medizinische Entscheidung noch, wenn die Ablehnung gesellschaftliche Ausgrenzung, Einreiseverbote und im prominentesten Fall sogar die Abschiebung zur Folge haben kann?
