24. August 2026

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Medien- und Radioteam

Uraltes Werkzeug aus dem Erzgebirge passt zu keinem bekannten 1800er Werkzeug

 

Im März 1893 schlug ein Steiger namens Friedrich Kaltofen auf der sechsten Sohle der Himmelsfürst Fundgrube bei Brand-Erbisdorf ein Stück aus dem Stoß, das da nicht hingehörte. Eine flache Platte, handtellergroß, mit neun runden Löchern in einer Reihe, je 4,2 Millimeter im Durchmesser und unter einem Zehntelmillimeter Abstand. Die Bergakademie Freiberg nahm sie entgegen. Die werksteigene Maschinenhalle versuchte, die Löcher nachzubauen, und scheiterte an der Präzision. Was sie vermaßen, wussten sie. Was sie sich daraus machten, schrieben sie nicht auf.

Dieses Video stellt zwei Überlieferungen nebeneinander. Die erste gehört Institutionen und steht auf Papier: das Fundprotokoll in Kaltofens Hand, der vierseitige Bericht des Metallurgen Ludwig Hentschel, drei Fotoplatten, die auf der Mappe verzeichnet und später von unbekannter Hand gestrichen sind, eine Eingangsnummer im Eingangsbuch der Bergakademie mit leerer Beschreibungszeile, und der Werkstattauftrag, der festhält, dass die schuleigenen Maschinisten kein einziges Loch nachbilden konnten. Die zweite gehört einer Familie und wurde meist gesprochen: Kaltofen, der das Stück als Andenken mit nach Hause nahm, ein Haus in Brand-Erbisdorf, in dem es zwei Generationen lag, eine Enkelin, die es in den sechziger Jahren einem kleinen Heimatmuseum übergab, und die Katalogzeile „Metallobjekt, Zeitstellung unbestimmt“, die sechzig Jahre nicht ergänzt wurde.

Der Einwand, dass das Freiberger Revier das bestausgestattete Bergrevier Europas war und eine spanend bearbeitete Kupferplatte dort fast zu erwarten ist, wird in voller Stärke vorgeführt, bevor das Video schließt. Beide Spuren werden aus den Akten und aus den überlieferten Worten zitiert; eine Antwort wird nicht gegeben, weil die Akte sie nicht hergibt.