Peter Carl Fabergé — Der Goldschmied des letzten Zarenreiches
Fünfhundert Mitarbeiter, vier Städte, ein Kaiserhof — und rund fünfzig Ostereier, deren Inhalt selbst der Auftraggeber erst im Augenblick des Öffnens erfuhr. Diese ausführliche Dokumentation erzählt in zehn Kapiteln das Leben eines Mannes, dessen Name bis heute für vollendete Handwerkskunst steht, dessen Herkunft jedoch weit außerhalb Russlands liegt.
Die Spur beginnt im Jahr sechzehnhundertfünfundachtzig, als eine hugenottische Familie aus der Picardie nach der Aufhebung des Edikts von Nantes Frankreich verlassen musste und im brandenburgischen Schwedt an der Oder eine neue Heimat fand. Von dort führt der Weg über die Ostseeprovinzen nach Sankt Petersburg, wo Gustav Fabergé achtzehnhundertzweiundvierzig ein bescheidenes Kellergeschäft eröffnete. Sein Sohn Peter Carl, geboren achtzehnhundertsechsundvierzig, besuchte die Handelsschule in Dresden, lernte bei einem Goldschmied in Frankfurt am Main und studierte die Sammlungen von Florenz, Paris und London, ehe er das väterliche Haus übernahm.
Die Dokumentation folgt seinem ungewöhnlichen Werdegang: den Jahren als Gehilfe im eigenen Unternehmen, der jahrelangen Arbeit an Nachbildungen skythischer Goldschmiedearbeiten aus der Eremitage, der Goldmedaille von Nürnberg achtzehnhundertfünfundachtzig und dem Aufstieg zum Lieferanten des Kaiserlichen Hofes. Ausführlich dargestellt wird die Entstehung des ersten kaiserlichen Ostereis für die dänischstämmige Kaiserin Maria Fjodorowna, seine barocken Vorbilder im Dresdner Grünen Gewölbe und im Kopenhagener Schloss Rosenborg sowie die außergewöhnliche Bedingung, unter der die Arbeit fortgesetzt wurde: völlige gestalterische Freiheit ohne jede Vorgabe des Auftraggebers.
Ein eigenes Kapitel gilt der inneren Ordnung des Hauses — den halbselbständigen Werkstätten unter Michael Perchin, Henrik Wigström, August Holmström, Julius Rappoport und ihren Kollegen aus Finnland, den Ostseeprovinzen und Deutschland. Ein weiteres beschreibt die technischen Grundlagen: das mehrfach gebrannte durchscheinende Email über guillochiertem Grund, die über einhundert Farbtöne, die Steinbearbeitung aus dem Ural und Sibirien, das vierfarbige Gold und die Blumenstudien in Gefäßen aus Bergkristall.
Die Ostereier werden dabei nicht als Kuriositäten betrachtet, sondern als eine Form der Geschichtsschreibung: die Ostasienreise des Thronfolgers und das Attentat von Otsu, die Krönung von achtzehnhundertsechsundneunzig, die Transsibirische Eisenbahn, das dreihundertjährige Bestehen des Hauses Romanow. Weitere Abschnitte behandeln die Moskauer Filiale mit ihrem russischen Stil und den Emailarbeiten Fjodor Rückerts, den Großen Preis der Pariser Weltausstellung von neunzehnhundert, die Londoner Niederlassung unter Henry Charles Bainbridge, die Kundschaft des englischen Königshauses und der Familie Rothschild sowie die kaum bekannten Lieferungen an den Hof von Siam.
Am Ende stehen der Erste Weltkrieg, das Ei des Roten Kreuzes von neunzehnhundertfünfzehn, die Schließung des Unternehmens, die Flucht über Riga und Deutschland und der Tod in Lausanne im September neunzehnhundertzwanzig — sowie die Frage, warum die Oberflächen jener Werkstätten bis heute nicht wieder erreicht wurden.
Umstrittene Punkte der Forschung — das Jahr der Firmenübernahme, die Datierung des ersten Ostereis, der Geburtsort Gustav Fabergés — werden ausdrücklich als offen benannt und in ihren verschiedenen Lesarten dargestellt.
Diese Dokumentation richtet sich an alle, die sich für europäische Kunstgeschichte, für die Geschichte des Handwerks und für das ausgehende neunzehnte Jahrhundert interessieren. Für Zuschauerinnen und Zuschauer, die eine ruhige, gründliche und respektvolle Erzählweise schätzen.
Autor und Sprecher des Kanals: Konrad Steinbach Reihe: Geschichten großer Schöpfer
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