Wolkenimpfung als Instrument der Wetterbeeinflussung ist längst keine Science-Fiction mehr. Die Technologie existiert seit Jahrzehnten und wird in verschiedenen Ländern offen eingesetzt. Weitaus brisanter ist jedoch die Frage, ob sie auch als geopolitisches oder sogar militärisches Instrument genutzt werden könnte.
Genau diese Debatte erhält durch die jüngsten Ereignisse im Iran neuen Auftrieb. In Gebieten, die seit Jahren unter extremer Trockenheit leiden, sollen plötzlich außergewöhnlich starke Niederschläge gefallen sein – teilweise so viel wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Der Zeitpunkt sorgt für Spekulationen: Die Niederschläge folgten auf iranische Angriffe auf US-Militäreinrichtungen in der Region, darunter nach entsprechenden Berichten auch Anlagen beziehungsweise Systeme, die mit Wetterbeeinflussung und Cloud Seeding in Verbindung gebracht werden.
Ein Zusammenhang ist damit nicht bewiesen. Doch die zeitliche Abfolge wirft Fragen auf.
Jahrelange Dürre – und plötzlich Wasser
Der Iran kämpft seit Jahren mit einer schweren Wasserkrise. Landwirtschaftliche Flächen trockneten aus, Grundwasserreserven schrumpften, Städte mussten mit Versorgungsproblemen und Rationierungen umgehen. Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Druck nahm entsprechend zu.
Einige Analysten warnten bereits davor, dass die Wasserknappheit ein Ausmaß erreicht habe, das langfristig sogar die politische Stabilität des Landes gefährden könnte.
Nun scheint sich zumindest regional ein bemerkenswerter Wetterumschwung vollzogen zu haben. Gebiete, die lange kaum nennenswerte Niederschläge erlebt hatten, erhielten plötzlich große Mengen Regen. Berichten zufolge kam es sogar zu Schneefällen in Regionen, in denen solche Ereignisse ungewöhnlich sind. Handelt es sich lediglich um eine meteorologische Anomalie – oder steckt mehr dahinter?
Ein zeitlicher Zusammenhang, der Fragen aufwirft
Besonders auffällig ist der Zeitpunkt.
Die starken Niederschläge fielen zeitlich mit iranischen Angriffen auf US-Militäreinrichtungen in der Region zusammen. Dabei sollen auch Systeme beziehungsweise Einrichtungen getroffen worden sein, die angeblich mit Wetterbeeinflussungs- und Cloud-Seeding-Operationen in Verbindung standen.
Der investigative Journalist Ben Swann greift diesen möglichen Zusammenhang in einem neuen Video auf. Dabei betont er ausdrücklich, zwischen belegbaren Fakten, historischen Tatsachen und Spekulationen unterscheiden zu wollen.
Denn genau diese Unterscheidung ist entscheidend: Dass Wettermodifikation existiert, ist dokumentiert. Dass sie bereits militärisch eingesetzt wurde, ebenfalls. Nicht bewiesen ist dagegen bislang, dass die iranische Dürre gezielt von außen verursacht oder verstärkt wurde – oder dass die jüngsten Regenfälle eine direkte Folge der Zerstörung bestimmter Anlagen sind.
Dennoch ist die Kombination dieser Umstände zumindest bemerkenswert.
Cloud Seeding ist keine Verschwörungstheorie
Wer die Existenz von Cloud Seeding grundsätzlich als „Verschwörungstheorie“ abtut, ignoriert eine seit Jahrzehnten eingesetzte Technologie.
Bei der Wolkenimpfung werden Substanzen wie Silberjodid oder andere Partikel in geeignete Wolken eingebracht, um physikalische Prozesse innerhalb der Wolke zu beeinflussen und unter bestimmten Voraussetzungen die Bildung von Niederschlag zu fördern.
Mehrere Staaten setzen solche Verfahren offen ein.
Die Vereinigten Arabischen Emirate investieren erhebliche Summen in Wettermodifikation, nicht zuletzt wegen ihrer begrenzten natürlichen Süßwasserressourcen. Auch Saudi-Arabien betreibt entsprechende Programme.
Selbst in den Vereinigten Staaten haben inzwischen etwa 30 Bundesstaaten Gesetze zur Wettermodifikation verabschiedet oder entsprechende Gesetzesvorhaben diskutiert beziehungsweise vorgeschlagen.
Die Existenz der Technologie steht daher nicht zur Debatte. Eine völlig andere Frage ist jedoch, ob Wettermodifikation auch als geopolitisches Druckmittel oder militärisches Instrument eingesetzt werden könnte. Und genau dafür gibt es einen historischen Präzedenzfall.
Operation Popeye: Die USA setzten Wettermanipulation im Vietnamkrieg ein
Eines der bekanntesten Beispiele ist die geheime Operation Popeye, die während des Vietnamkriegs zwischen 1967 und 1972 durchgeführt wurde.
Dabei brachte das US-Militär Silberjodid in Wolken über Teilen Vietnams, Laos‘ und Kambodschas ein. Ziel war es, Niederschläge zu verstärken beziehungsweise die Monsunperiode zu verlängern.
Die militärische Absicht dahinter war eindeutig: Straßen und Versorgungsrouten des Gegners sollten durch Regen und Überschwemmungen aufgeweicht oder unpassierbar gemacht und damit insbesondere die nordvietnamesischen Nachschubwege beeinträchtigt werden. Auch die landwirtschaftlichen Bedingungen sollten dadurch beeinflusst werden.
Die Operation blieb jahrelang geheim und wurde erst später öffentlich bekannt und Gegenstand politischer Untersuchungen in den Vereinigten Staaten. Präsident Lyndon B. Johnson wird in diesem Zusammenhang häufig der Satz zugeschrieben:
„Wer das Wetter beherrscht, beherrscht die Welt.“
Ob Johnson diese Worte tatsächlich in genau dieser Form gesagt hat, ist eine andere Frage. Die zugrunde liegende Vorstellung aber – Wetter als strategischer Faktor – war längst Bestandteil militärischer Überlegungen.
Ahmadinedschad erhob bereits 2012 schwere Vorwürfe
Auch der frühere iranische Präsident Mahmoud Ahmadinedschad brachte das Thema öffentlich zur Sprache. 2012 behauptete er, westliche Staaten würden Technologien einsetzen, um Wetterverhältnisse zu beeinflussen und insbesondere zu verhindern, dass Regenwolken den Iran erreichten.
Internationale Medien reagierten damals überwiegend mit Spott. Ahmadinedschad wurde als Populist dargestellt, der Verschwörungstheorien verbreite.
Im Licht der dokumentierten Geschichte militärischer Wettermanipulation und der inzwischen offen betriebenen Cloud-Seeding-Programme erscheint zumindest die grundsätzliche Frage nach den Möglichkeiten solcher Technologien weniger exotisch als damals dargestellt. Das bedeutet allerdings nicht, dass Ahmadinedschads konkrete Anschuldigungen damit bewiesen wären.
Wer kontrolliert die Technologie?
Die Kernfrage, die Ben Swann und andere Beobachter stellen, lautet deshalb nicht mehr, ob Menschen Wetterbedingungen technisch beeinflussen können. Dass Wettermodifikation möglich ist und praktiziert wird, ist dokumentiert.
Die entscheidenden Fragen: Wer verfügt über welche Fähigkeiten? Wie weit reichen diese tatsächlich? Wofür werden sie eingesetzt – und gegen wen?
Sollten Staaten in der Lage sein, Niederschlagsmuster in strategisch relevanten Regionen gezielt und in größerem Umfang zu beeinflussen, wäre das militärische Potenzial offensichtlich. Eine solche Technologie würde sich theoretisch in die Logik hybrider Kriegsführung einfügen: schwer sichtbar, schwierig eindeutig einem Akteur zuzuschreiben und mit potenziell weitreichenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen.
Gerade in einem wasserarmen Land könnte eine längerfristige Veränderung der Niederschlagsverhältnisse enorme Auswirkungen auf Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung, Energieproduktion, Wirtschaft und letztlich auf die politische Stabilität haben.
Wettermanipulation als Kriegswaffe ist international verboten
Dass dieses Szenario keineswegs ausschließlich Science-Fiction ist, zeigt auch das internationale Recht.
Das 1977 in Kraft getretene Übereinkommen über das Verbot der militärischen oder sonstigen feindseligen Nutzung umweltverändernder Techniken – die sogenannte ENMOD-Konvention – verbietet den feindseligen Einsatz von Umweltmanipulation mit weitreichenden, lang anhaltenden oder schweren Auswirkungen. Die Existenz eines solchen Abkommens zeigt zumindest, dass die militärische Nutzung von Umweltveränderungen bereits vor Jahrzehnten als ernst zu nehmendes Problem betrachtet wurde.
Verträge allein garantieren allerdings nicht, dass Staaten niemals gegen sie verstoßen. Gerade verdeckte Operationen sind naturgemäß schwer nachzuweisen. Die Operation Popeye liefert dafür einen historischen Präzedenzfall: Wetterbeeinflussung wurde tatsächlich als militärisches Instrument eingesetzt und zunächst vor der Öffentlichkeit geheim gehalten.
Fragen, die nicht einfach verschwinden
Ob die jüngsten starken Regenfälle im Iran tatsächlich in direktem Zusammenhang mit der Ausschaltung regionaler Anlagen oder Systeme stehen, lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit feststellen.
Meteorologische Prozesse sind komplex. Niederschläge hängen von zahlreichen Faktoren ab, und außergewöhnliche Wetterlagen können auch ohne künstliche Eingriffe auftreten. Eine zeitliche Korrelation allein beweist deshalb keine Kausalität.
Dennoch bleibt eine ungewöhnliche Abfolge von Ereignissen: jahrelange schwere Dürre, ein Krieg, in dessen Verlauf angeblich mit Wetterbeeinflussung verbundene Systeme außer Betrieb gesetzt werden – und anschließend außergewöhnliche Niederschläge.
Das ist kein Beweis für eine Wetterwaffe. Aber es ist eine Frage, die seriös untersucht werden kann.
